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Analvenenthrombose: Achtung, “unechte” Hämorrhoiden

analvenentrombose oder haemorrhoiden? besser einen erzt fragen

Viele Millionen Menschen kennen es: Es juckt, schmerzt und brennt am After. Dazu kommt noch ein Druck- und Fremdkörpergefühl. Bei diesen Symptomen wird schnell klar: es muss sich um Hämorrhoiden oder um eine Analvenenthrombose (auch kurz: Analthrombose) handeln.

Beides sind Leiden im Analbereich, die sich jedoch in der Häufigkeit, im Krankheitsverlauf, der Schmerzintensität, im Auftreten und in der Art der Behandlung unterscheiden.

Analvenenthrombosen werden überwiegend mit schmerzlindernden Salben auf Basis von Lidocain, Diclofenac oder Cinchocain behandelt.

Analvenenthrombose oder Hämorrhoiden – wo liegen die Unterschiede?

Hämorrhoiden hat grundsätzlich jeder und sie stellen für sich erstmal kein Problem dar. Im Gegenteil, sie sind sogar äußerst wichtig, da sie den Enddarm abdichten und dafür sorgen, dass wir den Stuhl halten können. Erst wenn sich die Hämorrhoiden vergrößern und damit Probleme verursachen, spricht man vom Hämorrhoidalleiden. Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig und medizinisch noch nicht abschließend erforscht. Weiterführende Informationen zu den Ursachen, Symptomen und zur Behandlung von Hämorrhoiden finden Sie hier.

Eine Analvenenthrombose ist ein Blutgerinnsel am After, das eine Größe vom Reiskorn bis zur Pflaume bekommen kann. Die Analvenenthrombose bildet meist eine bläulich durchschimmernde Schwellung.

Häufigkeit

Da nach Schätzung medizinischer Studien 7 von 10 Erwachsenen während ihres Lebens an Hämorrhoiden leiden werden, spricht man auch gerne von einer “Volkskrankheit”.

Analvenenthrombosen fallen zwar nicht in die Kategorie Volksleiden, sind aber durchaus nicht ungewöhnlich: Rund 5% der proktologischen Patienten zwischen 35 und 65 Jahren waren schon einmal wegen einer Analvenenthrombose in Behandlung.

Krankheitsverlauf und Schmerzintensität

Die Analvenenthrombose tritt in der Regel plötzlich und akut auf. Sie verursacht von Anfang an Schmerzen, Stechen oder Brennen. Oft innerhalb weniger Stunden bildet sich am After ein rot-bläuliches Blutgerinnsel, das pflaumengroß werden kann. Bei mehrfachem Auftreten sind die Knötchen wie an einer Perlenschnur angeordnet. Meist ist nach 2 bis 3 Tagen der Höhepunkt der Analvenenthrombose erreicht und die Symptome klingen im Verlauf von Tagen bis Wochen langsam wieder ab.

Dagegen entwickeln sich Hämorrhoiden wesentlich langsamer. Betroffene leiden zunächst nicht unter Schmerzen. Während sich die Analvenethrombose in der Regel von alleine – innerhalb weniger Tage oder Wochen – wieder zurückbildet, verstärken sich die Symptome bzw. Schmerzen bei Hämorrhoiden im Laufe der Erkrankung.

Auftreten

Wichtig ist, zu unterscheiden: Die Analvenethrombose ist ein Blutgerinnsel, das außerhalb des Afters auftritt. Aus diesem Grund wird häufig fälschlicherweise von „äußeren Hämorrhoiden“ gesprochen.

Im Gegensatz dazu befinden sich Hämorrhoiden im After und können erst nach Vergrößerung aus dem After heraustreten können (sog. Prolaps).


Wie entstehen Analvenenthrombosen?

Ursachen der Analvenethrombose

Als ursächlich für Analvenethrombosen gelten:

  • Temperaturschwankungen (z.B. Sitzen auf kaltem Untergrund)
  • Hormone (z.B. Menstruationszyklus)
  • das Ernährungverhalten (z.B. Verstopfung durch Ballaststoffmangel, Alkohol, Gewürze)
  • das Stuhlverhalten (z.B. zu starkes Pressen)

Ebenfalls kann die Entstehung der Analvenethrombose durch körperlich anstrengende Tätigkeiten wie ungewohnter und anstrengender Sport oder harte körperliche Arbeit (z.B. schweres Heben) begünstigt werden. In der Schwangerschaft können Analvenethrombosen ebenfalls entstehen, da ein hoher intraabdomineller Druck, also der Druck innerhalb des Bauchraums, besteht. In diesem Zusammenhang sind die Ursachen der Analvenenthrombosen ähnlich der des Hämorrhoidalleidens.

Interessant: Medizinische Experten nehmen an, dass vergrößerte Hämorrhoiden sich auf das Entstehen einer Analvenenthrombose auswirken können.

Behandlung der Analvenenthrombose

Behandelt werden Analvenenthrombosen entweder konservativ oder operativ.

Die konservative Behandlung wird beim überwiegenden Teil der Patienten angewandt. Dazu zählen schmerzlindernde Salben auf Basis von Lidocain*, Diclofenac oder Cinchocain. Ähnlich der Behandlung von Hämorrhoiden.

Lesen unseren Beitrag Top 5 der besten Salben bei Hämorrhoiden, um mehr zum Thema Salben auf Lidocain-Basis zu erfahren. Außerdem werden entzündungshemmende Arzneimittel wie Ibuprofen* empfohlen und Arzneimittel zur Stuhlregulierung eingesetzt.

Eine operative Behandlung stellt den Ausnahmefall dar und wird nur bei sehr hohem Leidensdruck und starken Schmerzen angewandt. Zu den operativen Verfahren zählt die Exzision, das beudetet das Herausschneiden der gesamten Thrombose. Bei etwas kleineren Analvenenthrombosen ist noch eine Stichinzision möglich. Hier wird ein kleiner Schnitt in die Thrombose gesetzt und das Blut vorsichtig herausgedrückt. Dies hat jedoch den Nachteil eines hohen Rückfallrisikos, da das Blut unter anderem einfach nachlaufen kann und den Thrombus wieder auffüllt.

Wichtig: Über die Art der Behandlung entscheidet letztlich die Ärztin oder der Arzt Ihres Vertrauens.

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Quellen:

  • AWMF online (2002): “Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie – Analthrombose”
  • Enddarmzentrum Mannheim
  • Kreuter, A. (2016): “Proktologie – Erkrankungen der Analregion” in: Journal of the German Society of Dermatology, Volume 14(4), S. 352-375
  • Söhnlein, Wolfgang (2019): “Analvenenthrombose, Anal venous thrombosis” in: MMW – Fortschritte der Medizin Volume 161, S. 52
  • www.amboss.com

Bildquellen

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