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Hämorrhoiden kühlen oder wärmen?

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haemorrhoiden kühlen wärmen

Betroffene fragen sich bei Hämorrhoidalleiden immer wieder, ob man Hämorrhoiden eher kühlen oder wärmen sollte.

Die Antwort: Beides.

Erfahren Sie in diesem Artikel mehr.


Kühlen reguliert den Blutfluss

Bei der Kühlung von Körperteilen ziehen sich die Gefäße zusammen. Damit wird der Blutfluss zunächst reduziert. Das bewirkt eine Verminderung der Schwellungen, da die engen Gefäße weniger Wasser in die umliegenden Gefäße austreten lassen.

Nach der Kühlung sind die Gefäße jedoch umso stabiler, weshalb der Blutfluss wieder zunimmt. Durch den gesteigerten Blutfluss nach der Kühlung können Abwehrzellen leichter in die entzündete Region gelangen.

Kühlen ist meist die kurzfristige Soforthilfe bei ganz neuen Verletzungen oder Erkrankungen wie Schwellungen, Prellungen und Entzündungen. Kühlen kann aber auch im schlechteren Fall bei Verspannungen Verhärtungen begünstigen.

Hämorrhoiden kühlen mit Eis?

Davon ist abzuraten, denn Eis kann erstens sehr schmerzhafte Kälteverbrennungen verursachen und zweitens verunreinigt sein und Entzündungen begünstigen, wenn Sie beispielsweise Eiswürfel aus dem Kühlfach direkt im Afterbereich auftragen.

Empfehlenswert ist daher die Anwendung spezieller Kühl-Kompressen*. Auch hier ist unbedingt auf eine vernünftige Regulierung des Kontakts und der Temperatur zu achten. So können Kälteverbrennungen durch den direkten Kontakt des Eisbeutels mit der Haut entstehen! Also unbedingt ein sauberes Stofftuch zwischen Kompresse und Haut bzw. After halten.

Eine schonende Kühlung kann auch über kaltes Wasser (etwas unter Zimmertemperatur, also 15-20 Grad Celsius) in einem speziellen Hämorrhoiden-Sitzbad erfolgen. Dazu eine Badewanne oder Sitzbad-Aufsatz* für die Toilette verwenden. Als Hausmittel kommen außerdem abgekühlte Teebeutel oder Quark-Wickel* in Frage.

Übrigens, bei der Analvenenthrombose ist Kühlen der erste Schritt zur Schmerzlinderung. Jedoch ist die Analvenenthrombose auch nur von deutlich kürzerer Dauer und nach einigen Tagen bereits überstanden. Das Hämorrhoidalleiden dagegen ist in den meisten Fällen langwierig und nicht so schnell therapiert.

Hämorrhoiden kühlen hilft vor allem kurzfristig

Bei Hämorrhoiden bewirkt das Kühlen, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen und damit die Schwellungen reduziert werden. Dies wirkt in der kurzfristigen Anwendung sehr entlastend. Außerdem empfinden Betroffene das Kühlen bei akuten Schmerzen meist als wirksamer und angenehmer als das Wärmen.

Die Symptome von Hämorrhoiden werden durch Kühlung aber nur kurzfristig gelindert. Das Hämorrhoidalleiden wird jedoch nicht vollständig geheilt. Hierfür ist wiederum eine umfassende Basistherapie notwendig. Kühlung ist also sinnvoll bei akuten Hämorrhoiden-Beschwerden und starken Schwellungen. Sie eignet sich für den kurzfristigen Einsatz.


Wärmen weitet die Gefäße und steigert die Durchblutung

Wärmt man bestimmte Bereiche des Körpers führt es dazu, dass sich die Gefäße weiten. Die Zellen werden besser mit Sauerstoff versorgt und der Stoffwechsel wird angeregt. Die Durchblutung nimmt an der gewärmten Stelle zu und lindert somit Verspannungen.

Durch die gesteigerte Durchblutung ist bei akut auftretenden Schmerzen das Wärmen jedoch nicht sinnvoll und kann den Schmerz gar verstärken! Akute Entzündungen sollten eher gekühlt als gewärmt werden! Entsprechend wird Wärme eher bei langfristigen, chronischen Beschwerden (z.B. Verspannungen, Rückenschmerzen) angewendet.

Wärmen bei Hämorrhoiden

Bei Hämorrhoiden wirkt das Wärmen entspannend auf den Sphinkter, besser als Schließmuskel bekannt. Wärme, z.B. durch ein Sitzbad*, weitet die Gefäße. Es wird die Durchblutung angeregt und die Muskulatur des Schließmuskels entspannt.

Ein anatomischer Grund für das Auftreten von Hämorrhoiden ist eine erhöhte Anspannung des Schließmuskels (sogenannter Sphinktertonus). Die erhöhte Anspannung behindert wiederum den Blutrückfluss aus den Hämorrhoiden und das Heraustreten der Hämorrhoiden (Prolaps) wird begünstigt. Wir geben zu, das ist nicht ganz einfach zu verstehen. Auf unserer Infoseite zu Ursachen von Hämorrhoiden erfahren Sie daher mehr zu diesem Mechanismus. Ein durch warmes Wasser entspannter Schließmuskel schwächt dieses Phänomen etwas ab. Warmes Wasser hat zudem positive Effekte auf die Linderung des Juckreizes und verbessert die Analhygiene. Denn gerade das Brennen und der Juckreiz entstehen durch den erhöhten Ausfluss von Kot und begünstigen Reizungen der empfindlichen Haut am After.

Der Einsatz von Wärme bei Hämorrhoiden wird von Experten eher als langfristige Strategie und bei länger anhaltenden, meist höhergradigen, Beschwerden angesehen. Wärme ist nicht die schnelle Lösung, außer vielleicht für die Analhygiene. Sprechen Sie jedoch unbedingt, gerade bei höhergradigen Hämorrhoiden, mit Ihrem Arzt und lassen sich genau untersuchen, um mögliche schlimmere Erkrankungen auszuschließen.

Übrigens: Nach Hämorrhoidenoperationen werden ebenfalls warme Sitzbäder empfohlen. Wenngleich sich die Wissenschaft nicht über die Wirksamkeit nach OPs einig ist. So fanden Studien heraus, dass die Wundheilung durch warme Sitzbäder nach Operationen nicht zwangsläufig Linderung verschafft. (Gupta 2008). Aber wir finden ohnehin: Sollten Sie operiert werden oder operiert worden sein, sprechen Sie bitte sowieso in jedem Fall mit Ihrem Arzt!

Anwendungsmöglichkeiten von Wärme bei Hämorrhoiden

Der Klassiker unter den Wärme-Anwendungen bei Hämorrhoiden ist das Sitzbad. Es hat den Vorteil, dass es 1. leicht anzuwenden ist, 2. die Analhygiene fördert und 3. durch Badezusätze wie Kamille* oder Eichenrinde* eine zusätzliche lindernde Wirkung zulässt.

Das Sitzbad kann in der eigenen Badewanne durchgeführt werden, falls sie eine haben. Das hat aber auch den Nachteil, dass sich die Badezusätze nur schwer konzentriert werden können, da doch relativ viel Wasser gebraucht wird. Abhilfe können hier spezielle Sitzbad-Aufsätze* für die Toilette leisten.

Vorsicht: Das Wasser sollte nicht zu heiß sein. Das Sitzbad kann je nach Belieben, mehrmals täglich ca. 10 Minuten, angewendet werden.

Eine Alternative zum Sitzbad ist die Wärmekompresse*. Allerdings ist auch hier zwingend ein Stofftuch zu verwenden, um Verbrennungen zu vermeiden. Manche Hersteller liefern diese Schutzstoffe schon mit dem Produkt aus, z.B. bei der Kalt-Warm Kompresse von NEWGO*.


Fazit: Hämorrhoiden kühlen oder wärmen: Die Kombination aus beidem!

Kühlen ist sinnvoll bei akuten Hämorrhoiden-Beschwerden und starken Schwellungen. Es eignet sich für den kurzfristigen Einsatz. Wärmen dagegen entspannt den Schließmuskel, fördert die Analhygiene und lindert den Juckreiz. Sie ist eher für den langfristigen Einsatz zum Beispiel in Form von regelmäßigen Sitzbädern sinnvoll.

Hämorrhoiden kühlen oder wärmen? Aus unserer Sicht schließt sich das nicht aus. Zuerst wird gekühlt, was die Gefäße verengt und danach gewärmt, was sie wiederum weitet. Das hat den Vorteil, dass die Stabilität der Gefäße zunimmt.

Wichtig: Vermeiden Sie extreme Temperaturen. Also kein direkter Kontakt mit Eis, aber auch kein Kontakt mit zu heißem Wasser. Das schmerzt nicht nur, sondern kann auch zu Verkrampfungen (bei Kälte) und zu Verschlimmerung der Schmerzen oder Entzündungen führen.

Wie auch bei Hämorrhoiden-Salben und auch Hämorrhoiden-Zäpfchen können mit Kühlen und Wärmen nur die Symptome gelindert werden. Ganz heilen lässt sich das Hämorrhoidalleiden so nicht. Eine wirksame Therapie ist viel umfangreicher und sollte mit Ihrem Arzt abgeklärt werden. Erfahren Sie auch hier mehr über das Stufenkonzept zur Hämorrhoiden-Therapie.

KÜHLEN BEI HÄMORRHOIDEN

WÄRMEN BEI HÄMORRHOIDEN

Effekt:

  • Gefäße ziehen sich zusammen

  • Schmerzen werden gelindert

  • Entzündungen gehemmnt

Effekt:

  • Gefäße weiten sich

  • Steigerung der Durchblutung

  • Schließmuskel entspannt sich

Strategie:

  • kurzfristige Hilfe

  • eher bei niedriggradigen Hämorrhoiden

Strategie:

  • langfristige Hilfe

  • eher bei höhergradigen Hämorrhoiden

Anwendung:

  • bei akuten und neu aufgetretenen Beschwerden

  • bei starker Schwellung

  • unter Raumtemperatur, aber nicht eiskalt

Anwendung:

  • bei älteren und chronischen Erkrankungen

  • nach Operationen

  • Anwendung über Sitzbad

Hilfsmittel:

Hilfsmittel:
Kalt-Warm-Kompresse*, Sitzbad-Aufsatz*, Badezusätze wie Kamille*

* = Hinweis auf Affiliate Links

Egal, wie Sie weiter bei der Behandlung vorgehen: Wichtig ist bei allem jedoch, dass Sie sich wohlfühlen. Meist merkt man selber, welche Form der Behandlung einem gut tut. Denn wir geben hier keine Therapie-Anleitung, sondern berichten nur von unseren eigenen Erfahrungen und werten alle relevanten Fachquellen aus. Nicht jede Behandlungsmöglichkeit passt zu jedem individuellen Fall und schon gar nicht zur individuellen Lebenssituation.

Wichtig für Sie als Betroffene bzw. Betroffener: Wir empfehlen wir Ihnen bei akuten Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen!


Was kann noch getan werden, um Hämorrhoiden schnell zu heilen?

  • Ändern Sie Ihr Stuhlverhalten möglichst sofort! Dazu zählt das Vermeiden von Pressen und die Einhaltung einer “1-3-Regel”. Das heißt, wenn möglich max. 1 mal am Tag Darmentleerung und max. 3 Minuten Sitzung. Beim Stuhlgang kann ein medizinischer Toilettenhocker* helfen. Dieser verspricht laut Hersteller einen schnelleren, schmerzfreien, vollständigen Stuhlgang. Ergänzt werden die Maßnahmen rund um das Stuhlverhalten noch durch eine ballaststoffreichere Ernährung.
  • Alltagshilfen wie Sitzbäder*, orthopädische Sitzkissen* und Sitzringe* lindern außerdem unangenehme Hämorrhoiden-Symptome.
  • Vermeiden Sie wenn möglich auch diese Risikofaktoren.
  • Weitere wertvolle Tipps stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.

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Quellen:

  • Abascal, K, Yarnell, E (2005): “Alternative and Complementary Therapies” 2005.285-289
  • Aigner, F. (2018): “Hämorrhoiden” in: coloproctology 40, 246
  • Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (2019): “Langfassung der S3-Leitlinie 081/007: Hämorrhoidalleiden”, Stand 04/2019
  • Enddarmzentrum Mannheim
  • Gupta, PJ (2008): “Warm sitz bath does not reduce symptoms in posthaemorrhoidectomy period: a randomized, controlled study.” in: ANZ J Surg 2008; 78(5): 398–401.
  • Kersting S, Karsten E, Berg E (2013): “Hämorrhoiden: Wann operieren?” in: Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen; 11 (3), 12-16
  • Laubert, T., Kahlke, V. (2020): “Hämorrhoidenoperation” in: coloproctology 42, 30–36
  • Lechleitner, A., Studer, P., Brügger, L. (2019): “Hämorrhoiden – wo stehen wir heute?” in: Swiss Medical Forum – 2019; 19(47-48), S. 788-774
  • Schäffler, A (2014): “Gesundheit heute: Krankheit – Diagnose – Therapie: das Handbuch (Deutsch)” ,TRIAS; 2. Auflage (9. April 2014)
  • Schwandner, O, (Hrsg.) (2016): “Proktologische Diagnostik”, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
  • www.chirurgenmanual.charite.de

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