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Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: der grundlegende Überblick

schwangere frau ruht sich auf sessel aus

Die Ursachen für die Entstehung von Hämorrhoiden sind vielfältig und von der medizinischen Forschung noch nicht abschließend geklärt. Als Risikofaktor gilt unter anderem ein erhöhter Bauchinnendruck, wie er bei Übergewichtigen, aber auch bei werdenden Müttern vorkommt. Insofern liegt es nahe, dass werdende Mütter während der Schwangerschaft eigentlich überproportional an Hämorrhoiden leiden müssten.

Jedoch ist der Zusammenhang zwischen Hämorrhoiden und Schwangerschaft unter Medizinern umstritten. Einige Studien gehen zum Beispiel davon aus, dass betroffene Schwangere schmerzhafte Schwellungen und Risse im Afterbereich mit Hämorrhoiden verwechseln. Fakt ist jedoch: Vor allem in der letzten Schwangerschaftsphase drücken Baby und Gebärmutter immer stärker auf den Enddarm, was Hämorrhoiden begünstigen kann. Genauso befördert schwangerschaftsbedingte Verstopfung die Entwicklung von Hämorrhoiden. Die gute Nachricht ist: bei den meisten Frauen sind die Beschwerden im Analbereich nur wenige Wochen nach der Geburt vollständig verschwunden!

1. Drei Anzeichen dafür, dass Sie an Hämorrhoiden in der Schwangerschaft leiden

Soviel zur Theorie. Falls Sie schwanger sind und vermuten, an Hämorrhoiden zu leiden, können diese 3 Symptome ein Anzeichen dafür sein:

  • Blutungen: Meist tritt die Blutung im Afterbereich während oder nach dem Stuhlgang auf.
  • Nässen und Schmieren: Bei stark vergrößerten Hämorrhoiden ist die Fähigkeit des Afters, die Ausscheidung von Kot zu verhindern, gestört. Infolgedessen sammelt sich im Afterbereich vermehrt Schleim, der oft als unangenehm nässend empfunden wird.
  • Juckreiz und Brennen: Bei andauernder Schleimabsonderung entzündet sich die Haut rund um den After, was zu quälendem Juckreiz führen kann.

Anzeichen? Lassen Sie sich von einem Darmspezialisten untersuchen

Erkennen Sie die genannten Symptome bei sich selbst wieder, sollten Sie sich von einem Darmspezialisten untersuchen lassen. Jede der hier vorgestellten Fakten basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, ersetzt jedoch keine ärztliche Untersuchung und Behandlung Ihrer Beschwerden. So typisch die oben beschriebenen Anzeichen für Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sein mögen – es kann auch andere Ursachen führ Ihre Beschwerden, wie zum Beispiel Entzündungen oder Tumore, geben. Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihre Gesundheit einem Experten anvertrauen. Möchten Sie sich vor dem Arztbesuch noch stärker mit der Hämorrhoiden-Thematik vertraut machen, empfehlen wir Ihnen die Seite “Über Hämorrhoiden”, auf welcher die Grundlagen zu den Ursachen, Symptomen und der Behandlung von Hämorrhoiden umfassend vermittelt werden.

2. Hämorrhoiden: Dem unangenehmen Schwangerschaftsbegleiter vorbeugen

Ein Kind auszutragen ist sowohl körperlich als auch hormonell eine absolute Ausnahmesituation für den weiblichen Organismus! Bei vielen Frauen treten Hämorrhoiden erstmals während der Schwangerschaft auf. Wie sich die Beschwerden in den jeweiligen Phasen der Schwangerschaft äußern, wie Sie Hämorrhoiden gegebenenfalls vorbeugen und etwaige Beschwerden lindern können, erfahren Sie in den nachfolgenden Abschnitten.

Hämorrhoiden im 1. Schwangerschaftstrimester

Die Frühschwangerschaft ist die Zeit direkt nach der Befruchtung der Eizelle. Sie wird auch als 1. Trimenon (auch als 1. Trimester bzw. 1 Schwangerschaftsdrittel bezeichnet) und dauert von der ersten bis zur 12. Schwangerschaftswoche. Die typischen Symptome dieser Zeit sind z.B. Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, Verstopfung, vaginaler Ausfluss, Schmerzen oder Spannungsgefühl in den Brüsten oder gesteigerter Speichelfluss.

Hämorrhoiden sind eigentlich untypisch in der Frühschwangerschaft. Schwangerschaftsbedingte Probleme mit Hämorrhoiden treten in den meisten Fällen erst ab dem 2. und 3. Trimenon, also ab der 13. Schwangerschaftswoche auf. Sollten Sie dennoch im 1. Trimenon auftreten, kann dies natürlich auch bei einer Frau unterschiedlichste Ursachen unabhängig von der Schwangerschaft haben. Das Hämorrhoidalleiden kann aber auch schon vorher da gewesen sein.

Bei Kinderwunsch: Hämorrhoiden vorbeugend behandeln

Die Fachliteratur empfiehlt: Wenn der Kinderwunsch immer größer wird, sollten Frauen, die bereits an Härmorrhoiden leiden, diese vorbeugend behandeln lassen. Das Risiko, dass sich das Hämorrhoidalleiden während der Schwangerschaft verschlechtert, ist sehr hoch. Eine vorbeugende Behandlung der Hämorrhoiden macht demnach Sinn, da so einer Verschlimmerung der Beschwerden während der künftigen Schwangerschaft gezielt entgegengewirkt werden kann.

Hämorrhoiden im 2. und 3. Schwangerschaftstrimester

Die meisten medizinischen Studien gehen von Problemen mit Hämorrhoiden während der Schwangerschaft erst ab dem 2. und 3. Trimenon aus. Das 2. Trimenon (auch zweites Schwangerschaftsdrittel genannt) ist die Zeit während der 13. und 28. Schwangerschaftswoche. Das 3. Trimenon umfasst entsprechend den Zeitraum zwischen der 29. und 40. Schwangerschaftswoche. Das dritte Schwangerschaftsdrittel wird auch Spätschwangerschaft genannt. 

Das 2. und 3. Trimenon verlangt dem weiblichen Körper Ausnahmeleistungen ab: Erscheinungen wie ein um bis zu 40-50% höheres Blutvolumen, um die Versorgung von Plazenta und Gebärmutter sicherzustellen, sowie ein rasanter Anstieg des Herzzeitvolumens erreichen ihren Höhepunkt in der 24. Schwangerschaftswoche. Dazu kommen hormonelle Veränderungen, welche die Gefäßwände im Hämorrhoidalplexus schwächen. Ebenso kommt der vergrößerte Druck auf den Beckenboden und die starke mechanische Belastung erschwerend hinzu. Auch Verstopfung, hervorgerufen durch Gewichtszunahme, nachlassende sportliche Betätigung sowie ggf. falsche Ernährung, kann Hämorrhoiden begünstigen. Manche Studien legen zudem nahe, dass ein hohes Geburtsgewicht des Kindes die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Hämorrhoiden zu erkranken.

Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit

Werdende Mütter sollten ebenfalls die Empfehlungen der konservativen Basistherapie beherzigen: Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit sowie schonende Bewegung können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Erhöhtes Risiko für Hämorrhoiden bei Spätgebärenden oder nach mehreren Schwangerschaften

Bei vielen Frauen treten Hämorrhoiden erstmals während der Schwangerschaft auf. Rund zwei Drittel der Frauen, die während der Schwangerschaft an Hämorrhoiden leiden, haben diese erst während der Schwangerschaft bekommen. Beim restlichen Drittel waren schon vorab entsprechende Probleme mit Hämorrhoiden vorhanden. Es gibt keine verlässliche Studie dazu, wie viele Frauen während der Schwangerschaft an Hämorrhoidalleiden erkranken werden. Schätzungen gehen jedoch von 10-40% aller Schwangeren aus, die während der Schwangerschaft an Hämorrhoiden leiden. Grundsätzlich zeigen die von uns analysierten Studien, dass Frauen ab 35 Jahren sowie Frauen, die bereits eine oder mehrere Geburten hatten, mit erhöhtem Risiko an Hämorrhoiden erkranken.

In den überwiegenden Fällen leiden die betroffenen Schwangeren an Hämorrhoiden 1. bis 2. Grades. Gerade im 3. Trimenon kann es zu höhergradigen (Grad 3 und Grad 4) Hämorrhoiden mit dem extremsten Fall von eingeklemmten und heraustretenden Hämorrhoiden (sog. inkarzerierter Hämorrhoidalprolaps) kommen. 

Hämorrhoiden nach der Geburt, während des Wochenbetts und der Stillzeit

Die Entbindung stellt eine extreme Belastung für die Gefäßpolster im Darmbereich dar. Durch starkes Pressen können oft auch erst mit der Geburt und in der Zeit während des Wochenbetts Hämorrhoiden der Schweregrade 3 und 4 entstehen. Gerade die Entbindung begünstigt “Extreme” wie den Hämorrhoidalprolaps, also das Heraustreten der geschwollenen, vergrößerten Hämorrhoiden aus dem Analbereich. Es ist wenig verwunderlich, dass diese Probleme vor allem bei komplizierten Geburten, einem hohen Geburtsgewicht des Kindes oder einer langen, sogenannten Austreibungsphase verstärkt werden. Die Austreibungsphase ist die Phase zwischen der Öffnung des Muttermundes und der Geburt des Kindes. Diese dauert meist zwischen 20 Minuten und bei Erstgebärenden teilweise auch deutlich mehr als eine Stunde.

Als Wochenbett bezeichnet man die rund 6 bis 8 Wochen nach der Geburt. In diesem  Zeitraum bilden sich die körperlichen Veränderungen zurück, die durch Schwangerschaft und Geburt entstanden sind. Ungefähr ein Drittel der Frauen leidet in dieser Zeit noch unter proktologischen Beschwerden wie beispielsweise Hämorrhoiden, Thrombosen oder Fissuren. Begünstigt werden proktologische Beschwerden dadurch, dass der Stuhlgang während der Stillzeit noch sehr fest ist. Grund dafür kann die erforderliche hohe Trinkmenge pro Tag (rd. 3 Liter) sein, woran sich die jungen Mütter erst noch gewöhnen müssen. 

Auch hier gilt: Ausreichend trinken und ballaststoffreich essen!

3. Diagnose, Behandlung und Therapie von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Zunächst vorneweg: Eine Diagnose stellt immer nur ein Arzt für die individuelle Situation eines individuellen Patienten! Diagnosen auf eigene Faust, vor allem in der Schwangerschaft, und das Zusammenstellen von Therapieplänen mit Hilfe des Internet sollten vermieden werden. Ziel dieser Seite ist es, eine fundierte Übersicht zum Thema Hämorrhoiden zu geben und Sie sicher durch das undurchsichtige Angebot an Hilfsmitteln zu leiten.

Einnahme von Medikamenten mit dem Arzt abklären

Gerade in der Schwangerschaft gilt es viele Besonderheiten zu beachten und Risiken, zum Beispiel bei der Einnahme von Medikamenten, zu vermeiden. Vor allem wenn Sie unter sehr starken Beschwerden leiden, sind eine Fachärztin oder ein Facharzt für Frauenheilkunde oder Proktologie die geeigneten Ansprechpartner.

Die Behandlung und Therapie von Hämorrhoiden wird abhängig von deren Schweregrad (1 bis 4) in 3 Stufen eingeteilt. 1. die konservative Basistherapie (Ernährung, Salben etc.), 2. die interventionelle Therapie (minimalinvasive Eingriffe wie Sklerosierung oder Gummibandligatur) und 3. die operative Therapie (Segmentale Verfahren, Staplerverfahren usw.).  

Nur im Ausnahmefall: Operieren von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Die Therapie von Hämorrhoiden bzw. des Hämorrhoidalleidens während der Schwangerschaft unterscheidet sich stark von der Therapie von “Nicht-Schwangeren”. Einfach aus dem Grund, dass gewisse Medikamente nicht verabreicht werden dürfen und Operationen unter Vollnarkose vermieden werden sollten. Dies wird auch so in der aktuellen Leitlinie zum Hämorrhoidalleiden der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie klar empfohlen: Eine Operation wegen eines ausgeprägten Hämorrhoidalleidens in der Schwangerschaft sollte vermieden werden bzw. kommt nur nach Versagen der konservativen Basistherapie in Betracht.

Mit den Maßnahmen der konservativen Basistherapie aktiv gegen Hämorrhoiden vorgehen

Was können nun werdende Mütter mit Hämorrhoiden bzw. Hämorrhoidalleiden überhaupt tun? Im ersten Schritt sollten die Maßnahmen der konservativen Basistherapie durchgeführt und mit einem geeigneten Arzt gesprochen werden. Dies beinhaltet neben der Umstellung der Lebensgewohnheiten (unter anderem ballaststoffreiche Ernährung, Anpassung der Stuhlgewohnheiten usw.), lokale Kühlung, entzündungshemmende Salben oder auch die Anwendung bestimmter Hausmittel. ACHTUNG: Achten Sie unbedingt bei Anwendung jeglicher Medikamente und Salben auf die Packungsbeilagen und ob sich das jeweilige Hilfsmittel oder auch Hausmittel für die Schwangerschaft eignet.

Abführmittel keine Lösung

Über die Eignung der konservativen Basistherapie bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft  gibt es verschiedene Studien. So stellte Vazquez (2010) in seiner Studie zum Thema Hämorrhoiden und Schwangerschaft folgendes fest: Eine ballaststoffreiche Ernährung, erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Sitzbäder sowie die lokale Anwendung von Salben mit Lokalanästhetika können eher nützlich sein als Zäpfchen (sog. Suppositorien) und manche Salben. Von Abführmitteln (Laxantien) wird sogar eher abgeraten.


Quellen:

  • Abramowitz L, Sobhani I, Benifla JL, (2002).: “Anal fissure and thrombosed external hemorrhoids before and after delivery” in: Diseases of the Colon & Rectum; 45(5): 650–5.
  • Bussen, S. et al (2008): “Koloproktologische Erkrankungen” in: Geburtshilfe und Frauenheilkunde; 68: 1–5
  • Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (2019): “Langfassung der S3-Leitlinie 081/007: Hämorrhoidalleiden”, Stand 04/2019
  • DocCheck Flexikon
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. IQWiG-Berichte – Nr. 517 Definitionen der Geburtsphasen, Köln 2017
  • Khaschei, K. (2016): “Hämorrhoiden: Erkennen, behandeln, heilen” Stiftung Warentest 2016.
  • Loch H. (2016): “Proktologische Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett” in: Schwandner, O. Proktologische Diagnostik. Springer, Berlin, Heidelberg. 
  • Lurz, KH, Goltner, E (1977): “Hemorrhoids during pregnancy and puerperium” in: Münchener medizinische Wochenschrift – MMW; 119(48): 1551–2.
  • Negri E, Pagano R, Decarli A, La Vecchia, C (1988): “Body weight and the prevalence of chronic diseases” in: Journal of Epidemiology and Community Health; 42(1): 24–9.
  • Poskus T, Buzinskiene D, Drasutiene G, (2014): “Haemorrhoids and anal fissures during pregnancy and after childbirth: a prospective cohort study” in: Journal of Obstetrics and Gynaecology 121(13): 1666–71.
  • Promberger-Ott, R., Satzinger, U.: “Hämorrhoiden in der Schwangerschaft/Stillzeit” in: Speculum – Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe ; 32 (1) (Ausgabe für Österreich), 16-18
  • Rohde, H (2001): “Differentialdiagnose von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft” in: Deutsche Medizinische Wochenschrift; 126(46): 1302.
  • Statista.com
  • Vazquez, J.C. (2010): “Constipation, haemorrhoids, and heartburn in pregnancy” in: Clinical Evidence. Published online 2010 Aug 3. 2010.

Bildquellen

  • schwangere-frau: Luciana Silva / Pixabay

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